Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg- Universität Mainz

II. Medizinische Klinik
und Poliklinik

Kardiologie, Angiologie         und Internistische Intensivmedizin

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Margarete Waitz
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Margarete Waitz, geb. Riedel

* 07. April 1912, Mainz

+ 16. September 2002, Mainz

Kurz-Biographie

Margarete Waitz wurde am 07. März 1912 in Mainz als Kind der Eltern Thekla und Andreas Riedel geboren. Mit noch zwei Schwestern und einem Bruder wuchs Margarete in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Am 16. Juli 1932 heiratete sie Friedrich Matthäus Waitz Das gemeinsam mühsam ersparte Vermögen für ein eigenes Haus verloren sie über Nacht durch die damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse. Erfahrungen, die Frau Waitz sehr geprägt haben. Die Freude über die Geburt der Tochter Angelika Gerda Maria am 27. Januar 1944, das einzige Kind, endete tragisch mit dessen Tod nur 5 Monate später wegen kriegsbedingt fehlender Medikamente. Ein weiterer Schlag des Schicksals folgte am 16. November 1949, als der Ehemann an den Folgen eines Stromunfalls verstarb. Margarete Waitz war nunmehr ganz auf sich allein gestellt und begann mit 47 Jahren noch einmal ganz von vorn. Nachdem sie bereits von 1929 bis 1945 - beginnend als Kanzlei-Gehilfin - bei der Deutschen Reichsbahn beschäftigt war, bewarb sie sich 1950 als Angestellte, bzw. Beamtin auf Lebenszeit bei der Deutschen Bundesbahn. Sie behauptete sich als einzige weibliche Bewerberin gegen 99 männliche Konkurrenten. Sie bestätigte ihre Einstellung durch Fleiß und Können, wofür sie mehrere Auszeichnungen erhielt. Als „Bundesbahnbetriebsinspektorin a. D.“ beendete Margarete Waitz am 31. Oktober 1972 den aktiven Dienst.

Neben ihrem Dienst bei der Bahn begann sie "in memoriam" für ihren verstor- benen Ehemann mit dem Bau eines kleinen Eigenheims in Mainz-Gonsenheim. Sie war zutiefst verletzt und erbost wenn ihre Zahlungsfähigkeit auch nur andeutungsweise in Zweifel gezogen wurde. Ganz besonders aber empörte es sie, wenn sie den Eindruck hatte, sie werde wegen ihres Alters, oder weil sie „nur“ eine alleinstehende Frau war, nicht ernst genommen. Es geschah nicht selten, dass Margarete Waitz wegen ihres gewollten unscheinbaren äußeren Erscheinungsbildes und ihrer anspruchslosen Lebensführung unterschätzt wurde. Auch widersprach ihr äußeres Erscheinungsbild als einer „Großmutter wie aus dem Bilderbuch“ ihrem tatsächlich gesundheitlich sehr kritischen Zustand. Die Operation eines festgestellten Herzschadens wurde von den Universitätskliniken Mainz und Frankfurt als aussichtslos abgelehnt. Sie wurde schließlich im Dezember 1981 in Aachen von Oberarzt Dr. Bardos unter Leitung des späteren Direktors (1982-2004) der II. Med. Klinik und Poliklinik des Klinikums der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Jürgen Meyer operiert.

Margarete Waitz lebte in dem klaren und nüchternen Bewusstsein, dass ihr Gesundheitszustand trotz der eigentlich erfolgreichen Herzoperation weiter höchst problematisch blieb. Dennoch ließ sie sich das nach außen niemals an-merken und lebte ihr Leben in großem Gottvertrauen und persönlicher Selbst- losigkeit. Obgleich ihr Bewegungsradius durch Alter und gesundheitliche Beein- trächtigungen zunehmend eingeschränkt wurde, nahm sie regen Anteil an den Ereignissen in Politik und Weltgeschehen und hatte durchaus eigene Positionen zu den Entwicklungen in der Gesellschaft. Nachdem sie finanziell dazu in der Lage war, hatte sie zeitweise Anteil genommen an dem Leben derer, die in der Gesellschaft als „reich“ gelten. Sie nahm an Reisen auf Kreuzfahrtschiffen teil, besaß Schmuck, entsprechende Kleidung und erwarb Kunstgegenstände. Aber schon bald erkannte sie, dass diese Lebensweise nicht die ihre war. Man sollte sie als Person respektieren und nicht wegen ihres Bankkontos.

Die inneren Werte und persönliche Lebensleistung sollte der Maßstab für die Wertschätzung eines Menschen sein und nicht dessen materielles Vermögen. Diese Erfahrung hat Margarete Waitz sehr misstrauisch gegenüber jedermann gemacht, der sich mehr für ihre Besitztümer interessierte, als für sie als Person. Die Sorge für den Mitmenschen, persönliche Anteilnahme und Wert- schätzung waren ihr wichtiger als das Erkaufen von Anerkennung durch materielle Dinge. Diese Haltung bestimmte ihren Alltag und sie litt darunter, dass der Aspekt der Menschlichkeit im Zusammenleben und im Alltag so wenig beachtet wurde. Ihre berufliche Aufgabe bei der Bahn bestand überwiegend darin, Anwartschaften und Ansprüche junger, in Ausbildung befindlicher Menschen zu prüfen. Es erfüllte sie noch Jahrzehnte später mit Stolz und Freude, dass es ihr oft gelungen war trotz der Kriegswirren bisher unbekannte Anwartschaften aufzuspüren und den jungen Menschen finanzielle oder zeitliche Anrechte zu belegen. Aus Dank für eine dieser Hilfen entstand das Jugendportrait eines angehenden jungen Künstlers, das jetzt im Besitz der Stiftung ist. Obgleich ohne juristische Ausbildung erstellte sie auch die schriftlichen Vorarbeiten für die entsprechenden Bescheide. Es erfüllte sie stets mit großem Stolz, dass auf der Grundlage ihrer Ausarbeitungen alle strittigen Verfahren zu ihren Gunsten entschieden worden sind.

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In ihrem Testament verfügte Margarete Waitz die Verwendung ihres Vermögens von 1,6 Mio. EUR zur Errichtung einer Stiftung unter ihrem Namen, die die II. Medizinische Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und hier insbesondere den medizinischen Nach- wuchs fördern soll. Das ist einerseits eine dankbare Erinnerung an Herrn Prof. Dr. Jürgen Meyer, den damaligen Leiter ihres Operationsteams von 1981. Andererseits fügt es sich in ihre berufliche Aufgabe bei der Bahn, jungen Menschen in der Ausbildungsphase eine bessere Startchance zu schaffen. Hier gilt es besonders den Aspekt der Menschlichkeit und Fürsorge auf dem Hinter- grund einer immer stärker dominierenden Apparatemedizin, Budgetierung und Entpersönlichung im Gesundheitswesen zu stärken. Angehende Mediziner sollen über die scheinbar unendlichen Möglichkeiten des Technischen nicht den Menschen als Gottes Geschöpf aus dem Blick verlieren. Aus einem Objekt medizinisch-technischen Handelns muß wieder ein Subjekt menschlicher Hin- wendung werden. Obgleich Margarete Waitz ihr Leben für ihre Möglichkeiten aktiv gestaltete, hatte sie eine sehr klare Haltung zu den Grenzen eines menschenwürdigen Lebens und Todes. Gleichzeitig gab sie ihr Leben ganz bewusst in die Hand Gottes, der es täglich von ihr zurückfordern konnte. Denn bei allem Können und Bemühen um Perfektion liegt der Erfolg letztlich nicht in unserer Hand. Die Umsetzung ihres letzten Willens und Errichtung einer Stiftung in ihrem Sinn übertrug Margarete Waitz ihrem langjährigen Vertrauten und Testamentsvollstrecker Jan Kanty Fibich.

In Folge mehrerer Schlaganfälle innerhalb weniger Tage verstarb Margarete Waitz am Morgen des 16. September 2002 in einem Mainzer Pflegeheim. Sie wurde bei ihrem Ehemann und der gemeinsamen Tochter auf dem Mainzer Hauptfriedhof beigesetzt.

 

Mainz, den 14. September 2004

Dr. theol. Jan Kanty Fibich

Vorstandsvorsitzender

der Margarete Waitz-Stiftung

 

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